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Tagungen 17. WP
29.04.2015, 18:46 Uhr | Sozialwerk Berlin e. V. Käte-Tresenreuter-Haus
 
Fachtag "Wohnen im Alter (in Berlin) - Traum oder Alptraum"
Ältere Menschen sind durch die angespannte Wohnungsmarktsituation in der Stadt in ganz besonderem Maße betroffen. Darum hatte die Fachgruppe älterer Menschen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Landesverband Berlin in Kooperation mit den Berliner Pflegestützpunkten und dem Landesseniorenbeirat Berlin zu einem Fachtag "Wohnen im Alter (in Berlin) - Traum oder Alptraum" am 29.04.2015 in das Sozialwerk Berlin e. V. eingeladen.
Sozialwerk Berlin e. V. Käte-Tresenreuter-Haus - Es wurde ein Blick in die Zukunft gewagt und anhand von Best Practice Beispielen aufgezeigt, wie eine gerechtere und präventive Wohnungsmarktpolitik im Hinblick auf altersgemäße Bedürfnisse aussehen kann. „Wir wissen alle, dass wir mit diesem Fachtag ein ganz heißes Eisen anfassen. Aber, die Wohnung ist nun mal Dreh- und Angelpunkt des Alters“, sagte Regina Saeger, Vorsitzende des LSBB, zur Begrüßung (Grußwort zum Herunterladen).

Bereits nach dem ersten Vortrag Mietenentwicklung und aktuelle Wohnungspolitik in Berlin" von Dr. Jochen Hucke, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, wurde in der Diskussion deutlich, dass - unabhängig von den demografischen Prognosen – die erlebte Praxis auf dem Wohnungsmarkt beschriebenen Berliner Planungen schon heute widerspricht. Es gebe kein Wissen über den Bedarf an altersgerechtem Wohnraum. Versuche, mit Kriterien barrierearme Bedarfe zu erheben, scheiterten aufgrund der Komplexität. Vom Bund erwartet das Land Berlin weitere mietenregulierende Maßnahmen, z. B. bei der Modernisierungsumlage. In Berlin seien jetzt viele Instrumente in kurzer Zeit eingeführt – aber bauen dauere.

Dr. Hans-Ulrich Litzner, Sprecher der LSBB Arbeitsgruppe Bauen, Wohnen, Wohnumfeld, erinnerte in seinem Bericht „Sichtweisen der Seniorinnen und Senioren auf das Wohnen“ (Vortrag zum Herunterladen) daran, dass „Berlin – eine Stadt für jedes Lebensalter“ sein wolle. Dazu gehören auch die alten Menschen, die solange wie möglich in ihren vertrauten vier Wänden bleiben möchten. Diesen Wunsch zu erfüllen, würde der Gesellschaft helfen, Aufwand und Kosten insgesamt zu reduzieren. Aus Sicht der Seniorinnen und Senioren bestehen folgende Handlungsfelder:
•    bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum schaffen,
•    seniorengerechte Quartiersentwicklung fördern,
•    Wohnumfeld seniorengerecht gestalten („barrierefrei“),
•    wohnortnahe Versorgung ermöglichen,
•    soziale Stadt weiterentwickeln,
•    Mitgestaltung durch Seniorinnen/Senioren gewährleisten.

Ältere obdachlose Menschen, deren Zahl stetig steige, haben einen besonderen Wohn- und Pflegebedarf, betonte Regina Schödl, Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin, im Bericht "Wohnbedarfe im Alter". Bei der Prävention von Wohnraumverlust in Berlin bestehe großer Nachholbedarf. Angesichts der abgelehnten Anträge auf Mietschuldenübernahmen (Dr. s17-15405, Dr. s17-14652) verwies sie auf die hohen Kosten, die ordnungsrechtliche Notunterkünfte verursachen. Aber Schuldenübernahme allein reiche nicht, Beratung, damit Mietschulden nicht erneut auftreten, sei nötig. Dr. Oliver Zobel, Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin, zeigte Potenziale altersgerechter Wohnraumanpassung auf.

Astrid Schultze, Pflegestützpunkt Pankow – Mühlenstraße, berichtete von der hohen Qualität der "Wohnberatung in den Berliner Pflegestützpunkten" und der engagierten wie motivierenden Begleitung bei Umbauten. Die zertifizierten Wohnberater seien auch Mittler zwischen Mieter und Vermieter bei Wohnraumanpassungen und bei den nach dem bürgerlichen Recht geregelten Rückbauverpflichtungen.

Weitere Vorträge:
Unterstützung beim Umzug in eine barrierearme / barrierefreie Wohnung älterer bzw. pflegebedürftiger Menschen
Nicole Böhmer, Sozialverband VdK in Zusammenarbeit mit dem Pflegestützpunkt Tempelhof / Schöneberg – Reinhardstraße
Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Menschen
Karin Rückemann, Pflegestützpunkt Neukölln - Werbellinstraße
Neue Wohnkonzepte für pflegebedürftige Menschen - Das Modellprogramm zur Weiterentwicklung neuer Wohnformen nach § 45f SGB XI
Gabriela Seibt-Lucius, GKV-Spitzenverband
Was bieten Genossenschaften
Dr. Rainer Schulze, „Neues Berlin“ in Lichtenberg

Frau Margit Hankewitz, Vorstand des Sozialwerks Berlin e. V., und ihrem ehrenamtlichen Team gilt der Dank für die herzliche Begrüßung im Käte-Tresenreuter-Haus sowie für die umfangreichen Vorbereitungen und die Schaffung der guten Tagungsbedingungen.

Wegen einer internen Veranstaltung ist die Geschäftsstelle am 1.09.2017 geschlossen.