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Arbeitsberatungen 17. WP
16.11.2016, 10:00 Uhr | Käte-Tresenreuter-Haus
 
Patientenfürsprecher*innen: ehrenamtliche Berater in den Krankenhäusern
Der Landesseniorenbeirat Berlin kam am 16.11.2016 zur Arbeitsberatung zusammen. Die Schwerpunktthemen der Diskussion waren die Erfahrungen der  Patientenbeauftragten des Landes Berlin und die Erfahrungen und Perspektiven der Tätigkeit der Patientenfürsprecher*innen aus Sicht des AK Patientenfürsprecher*innen Berlin. Zu Gast waren Frau Karin Stötzner, Patientenbeauftragte des Landes Berlin, und Herr Stefan Weigand, Gesundheit Berlin-Brandenburg.
Käte-Tresenreuter-Haus - Frau Stötzner war die erste Patientenbeauftragte in einem deutschen Bundesland überhaupt. Sie ist Ansprechpartnerin für die Anliegen, Belange und Beschwerden von kranken und pflegebedürftigen Menschen, pflegenden Angehörigen und ihren Organisationen sowie von Nutzer*innen der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung in Berlin. Ihr Amt schafft den Rahmen dafür, dass ihre Interessen in der Versorgungspolitik angemessen Gehör und Berücksichtigung finden. Die Berufung erfolgt durch den amtierenden Senator oder die amtierende Senatorin für Gesundheit.

Ein großer Teil ihrer Amtszeit musste zur Klärung von Beschwerden genutzt
werden. Als Gründe für Beschwerden treten auf:
  • Unfreundliches Personal
  • Nicht ausreichende Anzahl von Fachpersonal
  • Stress zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter*innen
  • Gefühl von Patient*innen, falsch behandelt zu werden
  • Stress beim Pflegepersonal.
Seit 1986 ist es in Berlin Aufgabe der Patientenfürsprecher*innen Patient*innen bei Problemen und Beschwerden gegenüber dem Krankenhaus, in dem sie behandelt werden, zu unterstützen und zu beraten. Sie sind ehrenamtlich tätig, unabhängig und an die Schweigepflicht gebunden. Rechtliche Grundlage für das Engagement der Patientenfürsprecher*innen sind § 30 des Landeskrankenhausgesetzes (LKG) und § 40 des Gesetzes für psychisch Kranke (PsychKG). Die Patientenfürsprecher*innen werden von der Bezirksverordnetenversammlung gewählt und vom Bezirksamt fachlich begleitet. Seitens der Bezirksämter wurde ein Anforderungsprofil für die Fürsprecher erarbeitet. Im Land Brandenburg sind Patientenberater*innen tätig, die aber von den Kliniken selbst ausgewählt werden.

Zu den wesentlichen Aufgaben der Berliner Patientenfürsprecher*innen gehören:
  • Unterstützung der Patient*innen bei der Vertretung ihrer Interessen
  • gegenüber dem Krankenhaus und den Gesundheitsbehörden
  • Entgegennahme von Beschwerden der Patient*innen sowie der Angehörigen
  • Kritische Sichtung des Ablaufs im Krankenhaus
  • Mindestens zweimal im Monat im Krankenhaus anwesend sein
  • Teilnahme am Arbeitskreis der Patientenfürsprecher
  • Kommunikation mit leitenden Mitarbeitern des Krankenhauses
  • Angebot eigener Sprechstunden sowie Erreichbarkeit über Mails sichern.
Herr Weigand berichtete über Beschwerden, u. a. über ungenügende
Sauberkeit und Hygiene, über die Qualität von Pflege und Versorgung, über Mängel im Entlassungsmanagement sowie über die ablehnende Haltung von Ärzt*innen, fachübergreifende Absprachen im Interesse der Patient*innen zu führen.

In der Diskussion stellten die Mitglieder des Landesseniorenbeirates Berlin Fragen u. a.
  • zum den "Missbrauch" der Rettungsstellen durch leichte Erkrankte, vor allem an den Wochenenden,
  • um die Wirksamkeit von Beschwerden,
  • um lange Wartezeiten in Rettungsstellen und
  • um mangelnde Öffentlichkeitsarbeit für die Patientenfürsprecher*innen.
Um die Rettungsstellen zu entlasten, befinden sich in Berlin so genannte Portalpraxen an den Krankenhäusern z. T. im Aufbau.
Es wurde die Empfehlung ausgesprochen, dass die bezirklichen Seniorenvertretungen und die Patientenfürsprecher*innen vor Ort sich abstimmen, um gemeinsam an der Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung zu arbeiten. Beschwerden von Migrant*innen über Krankenhausbedingungen seien sehr selten. Jedoch haben von den mehr als 80 Patientenfürsprecher*innen in Berlin nur 2-3 einen Migrationshintergrund.

Weitere Tagesordnungspunkte:
  • Bericht des Vorstandes und Informationen aus der Bundespolitik
  • Berichte und Informationen aus den Senatsverwaltungen
  • Berichte und Informationen zum Arbeitsstand der Arbeitsgruppen des LSBB
  • Berichte und Informationen aus der Landesseniorenvertretung Berlin (LSV), den bezirklichen Seniorenvertretungen und den Seniorenorganisationen im LSBB