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Arbeitsberatungen 17. WP
02.12.2015, 19:20 Uhr | Seniorenstiftung Prenzlauer Berg
 
Handeln und ambulante geriatrische Versorgung verbessern
Zur letzten Arbeitsberatung im Jahr 2015 trafen sich die Mitglieder des Landesseniorenbeirates Berlin bei der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg an der Stavangerstraße 26. Zu Gast waren Herr Eckehard Schlauß, Stabsstelle beim Pflegedirektor des Ev. Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (EKH), und Herr Wolfgang Pütz, Leiter der Hauptabteilung Bedarfsplanung und Zulassung bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin.
Seniorenstiftung Prenzlauer Berg - Frau Sandra Warnke, Leiterin der Einrichtung an der Stavangerstraße 26, stellte das Haus der Seniorenstiftung vor, wo alle Pflegestufen versorgt werden können. Ebenso gibt es die Möglichkeit des betreuten Wohnens, das sehr beliebt ist. Des Weiteren gibt es einen Demenz- und Palliativbereich.

Schwerpunktthema des Plenums war die „Geriatrische Versorgung – ambulant und stationär“ (Leitlinie 14 der Berliner Seniorenpolitik). Dazu stellte Herr Eckehard Schlauß, Dipl.-Gerontologe am EKH das dortige Projekt „Akutkrankenhaus als „window of opportunity“ für nachhaltige Demenzbehandlung vor. Im KEH werden zunehmend Betreuungs- und Behandlungskonzepte für Menschen mit kognitiven Risiken eingeführt. Damit viele Patientinnen und Patienten davon profitieren können, ist es geboten, diese kognitiven Risiken bereits bei der Aufnahme im KEH festzustellen. In der Geriatrie werden in der Regel Patienten „70+“ mit Demenz und Verwirrtheitszuständen behandelt. In vielen Fällen der Älteren tritt ein solches Delir nach einer OP auf, das meistens nach einigen Tagen wieder verschwindet. Insbesondere werden die Fähigkeiten gefördert, die man für einen weitgehend selbstständig geführten Alltag braucht. Das Behandlungskonzept orientiert sich an den körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Bedürfnissen der Patienten. Ziel ist es, die Lebensqualität und Selbstständigkeit so weit wie möglich wiederherzustellen bzw. zu erhalten. Sollte nach Abschluss der Behandlung eine Rückkehr in das häusliche Umfeld nicht möglich sein, organisiert das Krankenhaus die weitere Versorgung (z.B. stationäre Pflege, betreutes Wohnen etc.) ausgerichtet an den Bedürfnissen und Wünschen der Patienten.
KEH-Vortrag zum Herunterladen

Zur „Situation und Perspektiven der ambulanten geriatrischen Versorgung in Berlin“ sprach Herr Wolfgang Pütz, Leiter Bedarfsplanung und Zulassung bei der KV Berlin. Der damalige Gesundheitsminister Horst Seehofer schuf in den frühen neunziger Jahren die so genannte Bedarfsplanung, die festlege, wo ein Haus- oder Facharzt eine Kassenpraxis betreiben darf. Für die Bedarfsplanung gibt ein Bundesgremium den Rahmen vor, der dann auf Landesebene von den Kassen und den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) bundesweit umgesetzt wird.  Als sie eingeführt wurde, fand die demografische Frage keine Beachtung – also die Frage, ob in einer Region viele ältere Menschen leben, die mehr ärztliche Versorgung brauchen als Jüngere. Die Planung ermittelt nur aufgrund der Einwohnerzahl und der Zahl der tätigen Ärzte, wie sie Anfang der neunziger Jahre bestanden, einen rechnerischen Versorgungsgrad.  Die Zahlen würden mittlerweile jedoch angepasst. In Berlin bestehen sowohl für Hausärzte als auch für Facharztgruppen Zulassungssperren, da eine Überversorgung bestehe. Daraus resultiert eine Vielzahl an Herausforderungen, z. B.:
-    In der Bedarfsplanung gibt es den „Geriatriker“ nicht.
-    Im hausärztlichen Bereich darf es keinen Facharzt geben.
-    Neue Geriatriker werden nicht von der KV zugelassen.
-    Ärztliche Betreuung in den Heimen.
-    Geriatrie muss 24. Arztgruppe im Planungsrecht werden (dazu müssen Vergütungsregeln geschaffen werden).
-    Es muss darüber nachgedacht werden, die Bedarfsplanung zu ändern.
KV-Vortrag zum Herunterladen

In der anschließenden Diskussion äußerten sich Mitglieder des LSBB u.a. kritisch zu folgenden Punkten:
1.    Desolate geriatrische ambulante Versorgung in Berlin
2.    Geriatriekonzept der Ärztekammer
3.    Die KV habe die Möglichkeit, Einfluss auf Gesetzesänderungen zu nehmen. Im Land Berlin könne über das Konzept 80plus konkret gehandelt werden, um die ambulante geriatrische Versorgung zu verbessern.

Herr Pütz entgegnete, dass die KV kaum handeln kann und der Bundesgesetzgeber aufgefordert werden muss, die Aufgaben der KV zu erweitern, so dass sie mehr Handlungsspielraum erhält, um tätig zu werden.

Zudem wurde in der Diskussion zur „mobilen zahnärztliche Betreuung in den Heimen“ hinterfragt, warum im gemeinsamen Gremium die Bezirke so wenig miteinbezogen werden: „wie kann man regional denken ohne die Bezirke?“