Auf Kontrastseite umschalten Schrift vergrößern Schrift verkleinern
Standpunkte zur AGH-Wahl 2016
31.08.2016, 08:40 Uhr | LSBB Pressemitteilung vom 31.08.2016
4 Digitalisierung der Hauptstadt - Seniorinnen und Senioren nicht zurücklassen
Empfehlungen des LSBB zu vier Handlungsfeldern anlässlich der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin
Berlin ist laut dem Berliner Senat, „auf gutem Weg, zur Digitalen Hauptstadt zu werden“.* Der Landesseniorenbeirat Berlin mahnt jedoch seit langem: „Neue 'smarte' Technologien dürfen nicht über die Köpfe der – auch betroffenen älteren - Menschen hinweg implementiert werden. Menschliche Zuwendung kann nicht durch Technik ersetzt, sondern bestenfalls unterstützt, werden.“
Der Landesseniorenbeirat Berlin stimmt der Aussage des Regierenden Bürgermeisters anlässlich der Eröffnung der 42. Berliner Seniorenwoche zu: „In einer Metropole wie Berlin, die wächst und zugleich zunehmend älter wird, muss die Stimme der Älteren deutlich gehört werden“.**

Dazu gehört, dass der persönliche oder telefonische Kontakt mit Verwaltungen weiterhin neben dem angekündigten Einsatz moderner elektronischer Informationstechnologien im Land Berlin und im Stadtmanagement möglich bleibt. Doch schon heute erleben Seniorinnen und Senioren das Gegenteil: Formulare der Bezirke und Informationen der Senatsverwaltungen gibt es zunehmend nur noch zum Herunterladen im Internet: „Diese neuen Barrieren des Zugangs schließen einen Teil der älteren Menschen aus und beschränken deren Teilhabemöglichkeiten“, sagt Regina Saeger, Vorsitzende des Landesseniorenbeirates Berlin. Dass auch nach dem kürzlich beschlossenen E-Government-Gesetz nach wie vor drei Wege gleichberechtigt im Kontakt mit den Behörden (elektronisch, persönlich, schriftlich) möglich sind, werde kaum kommuniziert und immer seltener praktiziert.

Weitere Problemfelder stellen die Forschung und Entwicklung neuer technikgestützter Assistenzsysteme für ältere Menschen dar, die sich in den vergangenen Jahren enorm beschleunigt haben. Aktives Altern gilt für die Anbieter der Gesundheitswirtschaft als Innovationsfaktor mit profitablen Marktchancen. Viele Ältere bedienen sich natürlich längst neuer Techniken, die aus ihrem Alltag kaum noch wegzudenken sind. Doch die Einschätzungen zu diesem Trend sind widersprüchlich. „Vor allem potenzielle Nutzerinnen und Nutzer zeigen eine deutliche Zurückhaltung. Skepsis, aber auch Ängste und Unbehagen signalisieren einen deutlichen Diskussions- und Aufklärungsbedarf“, sagt Regina Saeger, Vorsitzende des Landesseniorenbeirates Berlin: „Wir Älteren wollen gefragt und einbezogen werden, nicht nur in einzelnen Modellprojekten“, sagt Frau Saeger: „Ältere Menschen mit wachsendem Hilfe-, Pflege- und Unterstützungsbedarf müssen darauf vertrauen können, dass ihre Bedürfnisse und Ansprüche von der Gesundheitswirtschaft respektiert werden. Nicht allein die Effizienz der technischen Versorgung darf Maßstab sein, vielmehr müssen die Rechte auf Selbstbestimmung und soziale Teilhabe ganz oben auf der Werteskala stehen. Hier sind die im Rahmen einer BMBF-Begleitstudie entwickelten ethisch-normativen 15 Leitlinien für den LSBB eine wichtige Orientierungshilfe (Studie "Ethische Fragen im Bereich Altersgerechter Assistenzsysteme" A. Manzeschke, K. Weber, E. Rother, H. Fangerau). Diese Leitlinien betreffen Probleme der Sicherheit ohne Verletzung der Privatsphäre, des Datenschutzes, der Sicherstellung einer ausreichenden Zahl von Pflegefachkräften trotz Robotik, des Umgangs mit der Technik und des Angebots bezahlbarer Hilfen.

Der Landesseniorenbeirat Berlin ist bereit, seine Positionen in Initiativen wie dem „Smart City Netzwerk“ und weiteren Plattformen, in denen Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung gemeinsam innovative Ideen – auch für die ältere Generation - entwickeln, einzubringen. Hier mitzuwirken im Sinne des Berliner Seniorenmitwirkungsgesetzes als Partner, nicht in einer Alibifunktion, ist ein wichtiges Anliegen des LSBB.

Blick zurück:
Link zu Ergebnissen der LSBB Fachtagung "Älter werden in einer digitalen Gesellschaft - Nutzen und Risiken technikgestützter Assistenzsysteme" und zum Gerontologischen Salon.

*Zitat laut Pressemitteilung vom 21.06.2016, Presse- und Informationsamt des Landes Berlin
** Zitat laut Pressemitteilung vom 24.06.2016, Presse- und Informationsamt des Landes Berlin